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Schmerzerfassung und Behandlung









































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Schmerzerfassung und Behandlung bei „sprachlosen“ Menschen.

Menschen mit Kommunikationsstörungen, vor allem Demente, können meist nicht mehr auf ihre Schmerzen hinweisen. Offenbar ist es in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit für den Betroffenen nicht mehr möglich, Schmerzen einem bestimmten Ort im Körper zuzuordnen, z. B. wird bei Brustschmerzen/Halsschmerzen auf den Bauch gezeigt. Oder es ist den Kranken gar nicht möglich, ein Missempfinden als Schmerz zu erkennen. Dies führt dazu, dass Schmerzen bei diesen Menschen sehr oft nur ungenügend oder gar nicht erkannt und demzufolge auch nicht erfasst und behandelt werden. In verschiedenen Studien wurde die Schmerzmittel-Versorgung für Patienten mit und ohne Demenz bei akuter Oberschenkelhalsfraktur verglichen. Alle diese Untersuchungen zeigten, dass demente Patienten von und nach der Operation deutlich weniger Analgetika erhielten. Bei chronischen Schmerzen dürfte dieser Unterschied noch wesentlich ausgeprägter sein.

Zwei Drittel aller über 65jährigen, ob Demenzerkrankt oder nicht, leiden an chronischen Schmerzen. Am häufigsten sind es Schmerzen im Bereich der Gelenke und der Wirbelsäule, deutlich weniger sind Schmerzen bei bösartigen Erkrankungen. Häufigkeit und Stärke der Schmerzen steigen mit fortschreitendem Alter. So klagen 45% der über 80jährigen über sehr starke oder lang anhaltende Schmerzen. Dies hat eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität zur Folge. Der Einsatz von Opiaten bei älteren Menschen erfolgt immer noch viel zu zaghaft. Korrekt eingesetzt, sind sie sehr gut verträglich und auch für den Langzeiteinsatz bei nicht krebsbedingten Schmerzzuständen geeignet. Eine Suchtgefahr besteht nicht, wenn Präparate in Retardform kontinuierlich verwendet werden.

„Schmerz ist, was ein Mensch sagt“. Aber wie kann man Menschen helfen, die nicht mehr „sprechen“ können, bei stark kognitiv beeinträchtigten Menschen, die Wortfindungsstörungen sowie Schwierigkeiten im praktischen Umsatz des Gehörten haben?

Damit ist der Einsatz von geläufigen Schmerz-Skalen, z. B. die numerische Rating-Skala (NPS) oder die mehrdimensionale Skala, die meistens auf einer umfangreichen Auflistung von Worten beruht, mit welchen der Patient seine Schmerzen auf der sensorischen, affektiven und kognitiven Ebene möglichst genau beschreiben soll, nicht möglich. Selbst die speziellen Skalen die bei Kleinkindern oft eingesetzt werden, die Smiley-Skalen, sind oft nicht mehr möglich.

Es gibt mittlerweile in der Palliativmedizin erprobte Beobachtungsbögen, z. B. Doloplus oder ECPA (Echelle comporementale de douteur pour personnes ágées non communicates).

Das ECPA-Schmerzschema zu Erfassung und Erfolgskontrolle zur Schmerztherapie eignet sich besonders bei älteren Menschen mit stark eingeschränkter Kommunikation. Diese Schmerzskala wurde seit 1993 in verschiedenen Zentren in Frankreich entwickelt und validiert. Bis dahin gab es keine validierten Schmerzskalen für diese Patientengruppe. Die zugrunde liegende Methode der ECPA beruht auf der Beobachtung des Verhaltens in 3 verschiedenen Bereichen, das Verhalten des Patienten außerhalb und während der Pflege sowie dessen Auswirkung auf seine Aktivitäten.

Bei der Anwendung von ECPA-Skalen ist vorrangig das Pflegepersonal, das unmittelbar in der Pflege mit den alten kommunikationsgestörten Bewohnern zu tun hat, gefragt. Sie sind durch den Dauereinsatz bei den Menschen am ehesten in der Lage, kleinste Verhaltensänderungen festzustellen. Aber auch der Arzt kann während seiner Untersuchungen mittelbar in die Schmerzerfassung mit einbezogen werden, ebenso die Angehörigen während ihren Besuchen.

Die ECPA-Schmerzerfassungsskala umfasst drei Dimensionen (Bereiche) und gliedert sich in verschiedene Items, die die ansteigende Veränderung der Verhaltensweise beschreibt.

•  In der Dimension I beurteilt man das Verhalten außerhalb der Pflege und registriert verbale Äußerungen, Gesichtsausdruck und Ruhehaltung des Bewohners.

•  Die Dimension II betrifft Beobachtungen während der Pflege. Hier achtet man auf ängstliche Abwehrreaktionen, Verhalten bei der Mobilisation, Reaktionen bei der Pflege schmerzhafter Zonen und die verbalen Äußerungen während der Pflege.

•  Die Dimension III zielt auf die Veränderungen der gewohnten Aktivitäten des Bewohners, wie die Auswirkung auf den Appetit, den Schlaf, den Bewegungsablauf und die Kommunikation (wenn noch etwas vorhanden) bzw. Kontaktfähigkeit

Der Gesamtscore wird aus der Summe aller 11 Items ermittelt und reicht von „kein Schmerz“ (= 0) bis „stärkster Schmerz“ (= 44). Der zeitliche Aufwand erfordert bei geschickter Anwendung lediglich etwa 2 – 3 Min. Allerdings ist die Sensibilität im Erfassen von derartigen schmerzbedingten Verhaltenveränderungen in hohem Maße abhängig von der wiederholten Schulung des Pflegepersonals. Untersuchungen haben ergeben, daß die fachliche Ausbildung des Pflegepersonals die Treffsicherheit der Schmerzbeurteilung bei diesen Menschen deutlich verbessert. Gerade chirurgisch und geriatrisch geschultes Fachpersonal erreicht dabei die besten Resultate.

 





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