Nach der Definition
der Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe alte Menschen,
die an unheilbaren, chronischen fortschreitenden Erkrankungen
wie Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Atemwegserkrankungen,
Diabetes mellitus, Arteriosklerose und Demenz leiden ein
Recht auf Palliativversorgung. In der Regel leiden sie nicht
nur an einer, sondern an mehreren dieser Erkrankungen (Multimorbidität),
wobei häufig ein bestimmtes Krankheitsbild stärker
im Vordergrund steht und daher besondere Beachtung findet
und sie haben nur noch eine begrenzte Lebenszeit vor sich.
Die Realität jedoch sieht anders aus.
Selbst im Hospizwesen
ist Sterben im Alter kein zentrales Thema weder in historischer
noch in aktueller Hinsicht. Ausgehend von den Büchern
von Elisabeth Kübler-Ross und Cecily
Saunders hat sich die moderne Hospizbewegung in ihren Anfängen
zunächst den besonderen Sterbesituationen jüngerer,
krebskranker Menschen, wie z. B. auch Kindern und später
der wachsenden Zahl AIDS-Kranker gewidmet. Der besondere
Schwerpunkt dabei liegt in der häuslichen Sterbebegleitung.
Die Tatsache, daß bei der Einrichtung stationärer
Hospize in den 90er Jahren zunächst darauf geachtet
wurde aus der Sicht von den Kostenträger keine „Erster
Klasse Sterbeorte“ für geriatrische Patienten einzurichten,
führte dazu, daß man zur Erreichung eines niedrigen
Durchschnittsalters die Aufnahme hochaltriger Menschen vermied.
So richtig diese Entscheidung einer klaren Trennung zwischen
speziellen „Hospizpatienten“ und Pflegeheimbewohnern auch
gewesen ein mag, langfristig hat sie zu einer systematischen
Benachteiligung alter Menschen im hospizlichen Bereich geführt.
Im hohen Alter leidet fast jeder Mensch an multimorbiden
Erkrankungen und Schmerzen. Daher braucht er auch eine spezielle
palliative Versorgung durch geschulte Palliative-Care-Kräfte
und die volle „Zugangsberechtigung“ zu abrechenbaren Pflegeleistungen,
egal an welchem Sterbeort und mit welcher Erkrankung er stirbt.
Hierbei werden leider derzeit demenzkranke Menschen und Pflegeheimbewohner
noch eindeutig palliativ unterversorgt – ein Mißstand
den die WHO anprangert und einen dringenden Handlungsbedarf
sieht. |