Die Palliative Geriatrie befindet sich noch am Anfang
in der Geriatrischen Landschaft. Sicher gibt es schon vorbildliche
palliativ geführte Heime, aber sie befinden sich zurzeit
in der Minderheit. Immer noch ist das Sterben im Pflegeheim
ein Stiefkind der Palliativbetreuung. Weit über die
Hälfte aller in Pflegeheimen lebenden alten Menschen
haben Schmerzen. Bei starken Schmerzen erhalten sie oft nur
einfache Schmerzmittel, leichtere Schmerzen werden sogar
oftmals ignoriert. Der Einsatz von Opiaten wird oft abgelehnt
mit der Bemerkung „Da kann er sich dran gewöhnen“ oder „Der
Patient sei ja noch nicht im Sterbeprozeß“. Demenzkranke
werden bei Schmerzen mit Schmerzmittel unterversorgt. Ärzte
haben kaum Erfahrungen mit Demenzpatienten und verordnen
bei Problemen oftmals nur sedierende Medikamente.
Für
alle in der Altenpflege Tätigen z.B. Ärzte,
Pflegepersonal, Aufsichtsorgane wie z.B. der MDK (Medizinischer
Dienst der Krankenkassen) und die Heimaufsicht brauchen eine
Haltungsänderung gegenüber der Palliativversorgung. Ärzte
werden dazu ausgebildet, mit allen Mitteln gegen Krankheiten
und Tod bis zuletzt zukämpfen. Wir Pflegekräfte
stehen unter dem Druck der Kriterien der Pflegequalität.
Die aktivierende, rehabilitierende Pflege wird bei uns als „Gute
Pflege“ angesehen. Im normalen Pflegealltag werden das Wundliegen
(Dekubitus), Untergewicht (Mangelernährung) Austrocknung
häufig als Pflegefehler beanstandet. Wenn man nicht
weiß, das sterbende Menschen oft kaum noch Appetit
und Durstgefühl haben und auch die eigentliche vorgeschriebene
zweistündige Lagerung, zur Verhinderung des Wundliegens,
vielleicht eher als belastend empfunden wird, kann man sich
leicht vorstellen, daß palliative Pflege Sterbender
bei Unkenntnis leicht als „Vernachlässigung“ im Sinn
eines Qualitätsmangels beanstandet werden könnte.
Es ist deshalb dringend erforderlich, daß Qualitätskriterien
für die palliative Pflege von den Aufsichtsorganen neu überprüft
werden. Ebenso dringend erforderlich ist die Weiterbildung
der Ärzte in der Palliativmedizin und Palliativ Care
bei Altenpflegekräften.
Der alte Mensch braucht ein
Gesundheitswesen, das grundlegende Gedanken der Palliativmedizin
vertritt.
Es darf nicht weiter „Glückssache“ bleiben,
ob man im letzten Lebensabschnitt in einem Altenpflegeheim
eine palliative Betreuung erhält oder nicht.
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