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Demenzkranke



























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Demenzkranke – leben in einer anderen Wirklichkeit.

Das Gedächtnis.

Durch den zunehmenden Verlust des Kurzzeitgedächtnisses leben Demenzkranke oft in einem früheren Teil ihres Lebens. Informationen verstehen sie zwar im Moment, während einer Handlung vergessen sie diese aber sofort wieder und wehren sich dann oft gegen für sie unverständliche Maßnahmen. Schon bald werden sie deshalb als schwierige Bewohner bezeichnet.

Mit dem Gedächtnis verbunden ist auch die Orientierungsfähigkeit. Die Orientierung (örtlich, zeitlich, situativ, persönlich) in Raum und Zeit, aber auch bezüglich des eigenen sozialen Umfeldes (z. B. Familie, Heim) und der eigenen Person, gehen im Krankheitsverlauf zunehmend verloren. Wer sich nicht mehr orientieren kann, sucht nach etwas Vertrauten, Bekannten, nach Geborgenheit, nach dem „Zuhause“. Dies führt zu Angst und Unruhe sowie Abwehr gegen alles Fremde, aber auch zu angstreduzierten Verhalten wie Wandern und Suchen in allen Zimmern und oft auch Weglaufen aus den Pflegeheimen.

Abstraktes Denken und Urteilsfähigkeit.

Der Verlust des abstrakten Denkens lässt das Verstehen von Zusammenhängen zunehmend unmöglich werden. Trotz guter Information können Demenzkranke kaum mehr entscheiden. Sie sind meist nicht mehr fähig, sich zu vorgeschlagenen Therapien zu äußern. Es ist deshalb unerlässlich, daß spätestens zu Beginn einer Demenzerkrankung die Vertrauensperson bestimmt wird, die im späteren Krankheitsverlauf stellvertretend für den Erkrankten entscheiden soll. Eine Patientenverfügung in gesunden Tagen verfasst, leistet hierbei wertvolle Hilfe.

Oft werden schon einfache diagnostische Schritte, zum Beispiel eine Röntgenaufnahme oder eine Blutentnahme, unmöglich, weil der demente Mensch die Maßnahmen nicht mehr verstehen kann. Infusionen und Injektionen werden zu unverstandenen Bedrohungen für ihn. Nicht selten reißen sie sich diese gewaltsam wieder heraus und verletzen sich schwer. Nur wenn es einen Nutzen für eine Lebensqualität des Menschen ist, sollten solche eingreifenden diagnostischen therapeutischen Schritte durchgeführt werden.

Kommunikation.

Es fällt Dementen zunehmend schwer, Beschwerden und subjektives Erleben verbal auszudrücken. Die sorgfältige Verhaltensbeobachtung hilft, aus Mimik, Körperhaltung und Reaktionsweisen auf mögliche Symptome zu schließen. Dies gilt insbesondere für die Erfassung von Schmerzen. Das Sprachverständnis wird von uns meistens überschätzt. Wenn der Bewohner unsere Fragen nicht versteht, wird er entweder lächeln oder sich unwirsch abwenden – was oft als Verneinung der Frage interpretiert wird und uns in der falschen Annahme lässt, er haben keine Beschwerden.

Körperempfinden.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers kann zunehmend verloren gehen. Dies zeigt sich manchmal in einer völlig veränderten Körperhaltung, die sich nicht mehr korrigieren lässt, aber auch darin, daß vielleicht der Mund zur Nahrungsaufnahme nicht mehr gefunden wird. Die Lokalisierung von Schmerzen kann dadurch unmöglich werden, weil der Bewohner nicht mehr zeigen kann, wo es ihm weh tut. Eine volle Harnblase führt dann manchmal zu einer zunehmenden Unruhe und Aggressivität, weil der Demente das Gefühl des Harndrangs nicht mehr richtig interpretieren kann.

Emotionen.

Die Erlebnisfähigkeit für Gefühle bleibt bis zuletzt erhalten. Ein positives Umfeld, in dem sich der Bewohner sicher, geborgen und verstanden fühlt und seine Gefühle ausleben kann, ist zentral wichtig für die Lebensqualität Dementer. Biographie bezogene Aktivitäten ermöglichen Freude und positive Empfindungen, Rituale vermitteln Ruhe und Geborgenheit, Musik und Tanz lassen das Bewegungsbedürfnis positiv erleben.

Obwohl die meisten Demenzkranken viel in der Gedankenwelt ihrer Kindheit leben, ist es immer wieder erstaunlich, wie sie beim Sterben von Mitbewohnern reagieren. Verstummte Bewohner machen manchmal in dieser Situation adäquate Bemerkungen, zeigen sehr viel Anteilnahme. Einzelne Bewohner verabschieden sich ganz bewusst von uns Pflegekräften, sagen „ich sehe dich nicht mehr wieder“ und sterben in der nächsten Nacht. Wegen der Kommunikationsschwierigkeiten weiß man sehr wenig über das Bewusstsein des bevorstehenden Sterbens. Die Ängste scheinen aber eher auf der Seite der Angehörigen und Helfer zu liegen.




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