Die besondere Pflegesituation des sterbenden alten Menschen
in einem Pflegeheim ist stark anhängig von den dort
herrschenden organisatorischen und strukturellen Bedingungen.
Obwohl Sterben, Tod und Trauer zum Alltag einer Pflegeeinrichtung
gehört und immer häufiger der letzte Lebensraum
und auch Sterbeort für alte Menschen wird, sind die
stationären Einrichtigungen gerade für die letzte
Lebensphase nicht ausreichend gerüstet.
Ein Sterben
in Würde zu gewährleisten, stellt
hohe Anforderungen an Management und Mitarbeiter. Es fehlen
die entsprechenden Kompetenzen, wie zum Beispiel nicht ausreichende
ausgebildete Altenpflegekräfte, unbefriedigende Kooperation
mit Ärzten, Vorgesetzten, Angehörigen und Betreuern
oder keine Aussagen im Pflegeleitbild.
Weitere Probleme sind
Personalmangel und der Zeitdruck unter dem eine individuelle
Pflege und Begleitung stattfinden muß.
Sterbebeistand muß zusätzlich zu dem üblichen
Arbeitspensum geleistet werden, d.h. unter dem totalen Eingespanntsein
in einen alltäglichen hektischen Arbeitsablauf. Da in
der Regel nicht abzusehen ist, wie lange sich der Sterbeprozess
hinzieht, stehen wir Pflegekräfte unter massivem Druck,
denn wenn eine intensive Begleitung vielleicht für einige
Stunden organisierbar ist, so ergeben sich doch meist erhebliche
Probleme, wenn dies für mehrere Tage notwendig wird.
Der Mehraufwand kann in der Regel mit der normalen Personalbesetzung
nicht abgedeckt werden. Wenn Mitarbeiter/innen mal für
die Sterbebegleitung freigestellt werden, so bedeutet dies,
daß Kolleginnen und Kollegen die Mehrarbeit mit leisten
müssen.
Für uns Pflegekräfte bleiben die Entscheidungen,
entweder den Sterbenden so zu versorgen, wie wir es persönlich
und fachlich für richtig halten würden und andere
Stations- oder Bewohnerbezogene Aufgaben zu benachteiligen,
oder uns um die Bewohner zu kümmern und den Sterbenden
zu benachteiligen. Wir sind gezwungen eine Entscheidung
herzustellen, zwischen den Erwartungen, die wir aufgrund
unseres beruflichen Handelns haben, auch für uns Altenpflegekräfte
ist die Pflege Sterbender eine der wichtigsten, pflegerische
Aufgaben, und den Erwartungen, die andere Bewohner an uns
stellen. Häufig ist eine intensive Begleitung von Sterbenden überhaupt
nur möglich durch die Einbeziehung von Angehörigen
oder ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen eines Hospizvereins.
Problematisch bei der Betreuung Sterbender durch „fremde“ Dritte
ist, daß der Sterbende diesen Menschen meist gar nicht
oder nur flüchtig kennt und keine Vertrauensbeziehung
besteht. Wir Pflegekräfte kennen unsere Bewohner/innen
oft sehr viele Jahre, daraus entwickeln sich nicht selten
enge emotionale Zuneigungen zwischen Bewohnern und Pflegekräften.
Daraus entsteht der verständliche Wunsch sie auch bis
zum letzten Lebensmoment beizustehen.
Zumal dieses Abgeben der Sterbebegleitung an Dritte den
Anspruch an die Ganzheitlichkeit der Pflege und der Vorstellung,
keine funktionale Pflege sondern eine Beziehungspflege leisten
zu wollen widerspricht.
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