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Begleitung Demenzkranker




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Die Begleitung Demenzkranker in ihrer letzten Lebensphaseaus
aus medizinischer Sicht.

Wann beginnt das Sterben? Ab wann kann man die Zeit eines nahen Todes absehen? Obwohl eine Demenz die Lebenserwartung gegenüber den gleichaltrigen Gesunden verkürzt, gilt sie nicht als Todesursache. Menschen mit Demenz sterben häufig an Infektionen, deren Gefahr durch eine Bettlägerigkeit im letzten Stadium verstärkt wird. Das Risiko steigt, dass sich in den Blutgefäßen Gerinnsel bilden. Wenn die bettlägerigen Demenzkranken Druckgeschwüre entwickeln, können sich diese infizieren. Die Todesursachen sind dann: Lungenentzündung, Herzinfarkt oder Sepsis. Nicht immer muß es jedoch zu einer Bettlägerigkeit kommen. So sterben Demenzkranke nicht selten und unerwartet aus – scheinbar – voller körperlicher Gesundheit.

Palliativpflege bzw. Palliativmedizin wollen die Schmerzen oder andere quälende Symptome unheilbarer Krankheiten durch eine umfassende Versorgung von Patienten und ihren Familien lindern. Sie wollen den Kranken schützend „umhüllen“ (lat. Pallium = Mantel). In dieser Hinsicht ergeben sich zahlreiche Berührungspunkte zur Pflege und Behandlung Demenzkranker.

Mediziner und Pflegende dieser Fachrichtung berichten, daß sterbende Menschen in ihren letzten Tagen eine Zurückhaltung bei der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme als angenehmer empfinden. Wohltuender als Infusionen wird eine regelmäßige Benetzung der Mundschleimhaut oder eine Luftbefeuchtung mittels Vernebler angesehen. Ob diese Erkenntnis ohne weiteres auf die demenzkranken Menschen übertragbar sind, ist noch nicht bekannt, zumal auch noch nicht Beginn und die Dauer ihres Sterbens präzise genug beschrieben werden kann.

Durst- und Hungergefühl können schon lange vor dem eigentlichen Sterbeprozess erloschen sein. Es bedarf täglich neu die Fantasie und Ausdauer, um die nötige Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme zu gewährleisten. Trotzdem sollte man bei einer sehr weit fortgeschrittenen Demenz eine zwangsweise Ernährung über eine künstliche Sonde kritisch überdenken.

Im fortgeschrittenen Stadium verlieren Demenzkranke zunehmend die Fähigkeit, mit Worten zu kommunizieren. Sie sind nicht mehr in der Lage Schmerzen verbal auszudrücken. Dadurch sind Ärzte in der Behandlung von Schmerzen auf die Beobachtungen der Mimik, Gesten und des Verhaltens angewiesen. Ein Schmerzerleben Demenzkranker kann sich äußern in plötzlicher Unruhe, aggressivem Verhalten, Schlaflosigkeit und Nahrungsverweigerung. Es ist sehr befremdlich wie häufig und selbstverständlich in solchen Situationen Psychopharmaka zur Behandlung dieser „Verhaltensauffälligkeiten“ verschrieben werden, ohne daß zuvor ein Schmerzerleben als Ursache ausgeschlossen wurde. Dabei gibt es mittlerweile in der Palliativmedizin erprobte Beobachtungsbögen (z. B. Dollplus und ECPA) zur Erfassung von Schmerzen auch bei Menschen, die der Sprache nicht mehr mächtig sind.

Welche Bedeutung das Sterben bzw. der Tod für die Demenzkranken selbst hat, kann nur vermutet werden. Zu beobachten ist, dass Erkrankte im fortgeschrittenen Stadium sich eher jung, vital und gesund fühlen. Neben dem Verlust des Bewusstseins über die eigene Krankheit, erlischt auch das Gefühl für Zeit, für Abläufe oder auf die Zukunft bezogene Lebensprozesse. Um sich der eigenen Endlichkeit bewusst zu sein, bedarf es jedoch des Wissens um ein gestern, heute und morgen. Der Tod ist für uns Menschen schon bei „klarem“ Verstand im wahrsten Sinne des Wortes nicht begreifbar. Er ist kein Teil des Lebendigseins.

Wenn dem Betroffenen das zukünftige Sterben demenzbedingt nicht bewusst bleiben kann, so kann sich die Angst davor verlieren. Der demenzkranke Mensch hat vielleicht das Glück, zu vergessen, dass er auch mal sterben muss.



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