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Erforderliche fachliche
Kenntnisse und Forschung im Hospizwesen
Wie aus obiger Darstellung ersichtlich, entwickelten sich auch in
Deutschland höchst unterschiedliche Initiativen, Einrichtungen und
Modelle, die verschiedene Aspekte der Hospizidee abdeckten. So wurden
Palliativstationen eingerichtet, diese waren immer an ein Krankenhaus
mit all seinen medizinischtechnischen Strukturen angebunden, und
Hospize. Daneben gründete sich eine Vielzahl anderer, vor allem
ambulanter Einrichtungen mit höchst unterschiedlichen Angeboten. Diese
Aufgaben reichen von psychosozialer bis hin zu einer umfassenden
palliativmedizinisch/pflegerischen Betreuung.
Selbst Fortbildung gehören zu dem Leistungsspektrum, welche von
ambulanten Einrichtungen angeboten wurden. Schon mit der Einrichtung
der ersten Palliativstation in Köln, wurde eine Vernetzung mit inner-
und außerklinischen Strukturen (z.b. Bildungsform, Schmerzambulanz)
angestrebt. Um jedoch die Vielzahl der unterschiedlichen
palliativmedizinischen Einrichtungen zu beschreiben, zu beurteilen und
in ein Gesamtkonzept zu stellen, bedurfte es der Definition und
Klassifizierung der Einrichtungen.
In Zusammenarbeit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin
(DGP) mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz wurden die Aufgaben und
personellen Voraussetzungen für stationäre und ambulante Einrichtungen
festgelegt. Unterschieden wird zwischen Palliativstation, stationärem
Hospiz, Tageshospiz, ambulantem Palliativdienst, ambulantem
Hospizdienst und den Hospizinitiativen. Die Beschreibung und
Klassifikation der unterschiedlichen Einrichtungen und ihre Erfassung
erscheint dringend notwendig, um einen umfassenden Überblick über das
palliativmedizinische Angebot in Deutschland zu erhalten. Darüber
hinaus ermöglicht dies eine weitergehende Vernetzung und zeigt die
Möglichkeiten der Qualitätssicherung auf.
Die Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, die im Jahre 1994
gegründet wurde, hat sich die konsequente Förderung und Durchführung
von Aus-, Fort- und Weiterbildung zur Aufgabe gestellt.
Ausbildungsangebote gibt es bisher noch sehr wenig. 1998 verfügten nur
4 Universitätskliniken über eine eigenständige Palliativstation,
regelmäßige Vorlesungen für Studenten wurden dort nicht angeboten.
Einen weiteren Schritt zu einer Verbesserung der Kenntnisse stellt
jedoch das deutsche Curriculum für
Palliativmedizin dar.
Das Curriculum für Ärzte ist in Anlehnung an das englische Palliativ-
Curriculum, welches schon 1992 herausgegeben wurde, in 3 Stufen
aufgebaut
1.
Grundkenntnisse und Einstellungen, die jeder Medizinstudent und jeder
Arzt besitzen sollte.
2.
Ein fundiertes Wissen für Ärzte, die regelmäßig Tumorpatienten
behandeln, wie z.B. Hausärzte und Onkologen.
3 Eine oberste Stufe für die spezialisierten Ärzte in den
Palliativeinrichtungen.
Ein Curriculum für das Pflegepersonal ist 1997 erschienen.
Im Herbst des Jahres 1999 richtete die Universitätsklinik Bonn einen
ersten Lehrstuhl für Palliativmedizin ein. Die Einrichtung weiterer
Lehrstühle ist geplant. Dies ist sicherlich auch als erster Schritt,
wissenschaftliche Forschung in der Palliativmedizin in Deutschland zu
etablieren, zu werten. Die Palliativmedizin darf sich nicht nur auf
Erfahrungsmedizin berufen, vielmehr muss sie die Effektivität ihrer
Methoden in wissenschaftlichen Arbeiten nachweisen.
Hierbei sollte die Forschung sich nicht nur auf Fragen der Schmerz-
und Symptomkontrolle beschränken, auch in Bereichen der Sozialarbeit,
Psychotherapie, Alternativ- Methoden und Ethik besteht hinreichend
Forschungsbedarf.
Ausdrücklich sollten nicht nur die Patienten, sondern auch deren
Angehörige und Bezugspersonen in Forschungsfragen mit einbezogen
werden. Es erscheint auch wichtig, Forschungen nicht nur auf
Palliativstationen durchzuführen; Hospize und ambulante Dienste
stellen einen wichtigen Bestandteil in der palliativmedizinischen
Versorgung dar. So sollten auch diese Bereiche ausdrücklich in
wissenschaftliche Untersuchungen integriert werden: Eine Tabuisierung
von Forschung und auch Lehre im Bereich der Palliativmedizin würden
dazu führen, dass diesen Patienten letztendlich moderne
wissenschaftliche Behandlungsmethoden vorenthalten werden. Neben der
Einrichtung eines ersten Lehrstuhles, wurde auch mit der Ausrichtung
eines europäischen Forschungskongresses im Dezember 2000 in Berlin ein
weiteres wichtiges Signal gesetzt.
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