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Trauerbewältigung bei Kindern

Eine wichtige Aufgabe in einem Kinderhospiz ist die Trauerbegleitung der Geschwisterkinder. Daher soll im Folgenden noch darauf eingegangen werden. 

Die von Kindern durchlebte Trauerbewältigung weist andere Formen, Probleme und Anforderungen auf als die von Erwachsenen. Kinder haben oftmals ein anderes Todesverständnis, deuten ihre Erfahrungen und die Reaktionen ihrer sozialen Umgebung auf eine spezifische Weise und sind außerdem in verschiedener Hinsicht von Veränderungen familiärer Beziehung betroffen. 

Dem in den westlichen Industrieländern vorherrschenden Todesverständnis werden gewöhnlich drei charakteristische Eigenschaften zugeschrieben:

Unumkehrbarkeit, Beendigung biologischer Funktionen und Universalität (alle lebenden Wesen müssen sterben).  

Kinder eignen sich diese Vorstellungen erst allmählich im Verlauf ihrer intellektuellen Entwicklung und Sozialisation an, ihr Todesverständnis und die damit verknüpften Empfindungen variieren je nach Altersstufe. Bei Kleinkindern im Alter bis zu zwei Jahren wird davon ausgegangen, dass sie das Sterben einer nahe stehenden Bezugsperson Mutter, Vater, Schwester, Bruder nicht mit einer konkreten Todesvorstellung verbinden. Sie reagieren unmittelbar auf die Verlusterfahrung, z.B. mit einer grundlegenden emotionalen Vorstellung. Kinder im Vorschulalter verstehen den Tod oftmals als ein reversibles Ereignis oder als Übergang in eine andere Form von Leben. Bevor sie eine konkrete Erfahrung machen, verfügen sie häufig auch noch nicht über die Vorstellung, dass der Tod sie selbst, die Eltern oder Geschwister betreffen könnte. Zwischen sechs und zehn Jahren bildet sich ein weitergehendes Verständnis heraus, in dem auch die Gewissheit der Unumkehrbarkeit mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Kinder im Alter über zehn Jahren haben größtenteils bereits ein ausgeprägtes Verständnis von Sterblichkeit. Allerdings wird auch von ihnen oftmals verdrängt, dass nahe stehende Bezugspersonen betroffen sein könnten. 

Der Blick von Erwachsenen ist mitunter einseitig auf das emotionale Erleben trauernder Kinder ausgerichtet. Nicht zu unterschätzen sind jedoch die Erschütterungen des familiären Beziehungsgeflechtes, von denen sie in Abhängigkeit konkreter Umstände in unterschiedlicher Weise betroffen sein können. Wichtig ist vor allem, ob der Tod plötzlich eingetreten ist oder nach einer längeren, schweren Krankheitsphase, die das familiäre Leben bereits in vielfältiger Weise verändert hat, und natürlich die Frage, wer verstorben ist. 

So sind z.B. Kinder, deren Bruder oder Schwester nach einer längeren, von erheblicher Pflegebedürftigkeit gekennzeichneten Krankheitsphase sterben, in besonderer Weise dem Risiko einer unzureichenden Bewältigung ausgesetzt. Weil das erkrankte Kind sehr viel Zeit, Aufmerksamkeit und Kraft der Eltern auf sich zieht, können ihre Bedürfnisse, Sorgen und Probleme im familiären Alltag leicht zu kurz kommen. Oftmals wird von ihnen schon früh große Selbständigkeit erwartet. Durch scheinbar ungleichgewichtige Verteilung von Zuwendungen und Aufmerksamkeit entsteht leicht das Gefühl, allein gelassen und weniger geliebt zu sein. Dieses kann zu unterschwelligen Aggressionen und Neid, mitunter sogar zu dem Wunsch führen, selbst krank zu werden. Zugleich tendieren Kinder in solchen Situationen dazu, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu verschweigen, weil sie eine zusätzliche Belastung der Eltern vermeiden wollen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass sie Scham dabei empfinden, auf der Gefühlsebene mit einem schwer erkrankten Kind in Konkurrenz um die elterliche Fürsorge zu treten. Besteht für sie keine Gelegenheit, ihre Empfindungen zu äußern und aufzuarbeiten, sind oftmals ausgeprägte Schuldgefühle die Folge, die auch nach Versterben von Bruder oder Schwester stabil bleiben. Insofern weist ihre Situation günstige Voraussetzungen zur Entwicklung von psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten auf, zumal das in sich erschütterte Familiengefüge erst im Laufe der Zeit wieder die zu ihrer Bearbeitung benötigte Kraft gewinnt. 

Kinder gelten im Zusammenhang mit der Trauerbewältigung etwas unbefangener, weil bei ihnen den mit Sterben und Tod verbundenen Vorstellungen, Erfahrungen und Empfindungen ein altersbedingt relativ geringes Bewältigungspotential gegenübersteht. Sie tendieren auch oftmals dazu, im Verborgenen zu trauern und sind aufgrund ihrer besonderen Abhängigkeit in gewisser Weise doppelt betroffen:

Zum einen verlieren sie Vater oder Mutter, Schwester oder Bruder und zum anderen vorübergehend die innere Stabilität, die Sicherheit und Geborgenheit. Dieses beruht darauf, dass es den Eltern zum Teil aufgrund ihrer Belastungen, zum Teil aus große Unsicherheiten schwer fällt, mit den Hinterbliebenen Geschwisterkindern umzugehen. 

Dementsprechend sollte eine wirksame Unterstützung der betroffenen Kinder z.B. durch Kinderseminare angeboten werden. Sie bedürfen nicht allein der emotionalen Stützung, sondern auch der Hilfe bei der Bearbeitung von Problemen, die nur indirekt mit der Erfahrung von Sterben und Tod zusammenhängen. Mit diesen Problemen sind sie schon weit im Vorfeld konfrontiert. Die wohl wichtigste Anforderung besteht darin, was geschieht oder geschehen ist für Kinder zugänglich und begreifbar zu machen, d.h. ihnen konkrete Erfahrungen als Gegengewicht zu Angstbesetzten Phantasien zu ermöglichen. 

So gilt es beispielsweise als empfehlenswert, Kinder in irgendeiner Form in die Versorgung tödlich erkrankter Geschwister einzubeziehen. Sie sollten ebenso wie Erwachsene die Möglichkeit erhalten, in geeigneter Weise Abschied zu nehmen. Sie benötigen Gelegenheiten und Ermutigungen, ihre Gedanken und Gefühle in altersgerechten Formen, etwa mit Hilfe kindgerechter Medien auszudrücken. 

Es ist vielfach erstaunlich wie sensibel, auch offen und unbefangen sich Kinder mit Sterben und Tod auseinander setzen können. Möglicherweise ist es weniger die Erfahrung von Sterben und Tod als die Belastung und Hilflosigkeit ihrer Umwelt, die trauernde Kinder in eine sie überfordernde Situation bringt. 11.) 

 

Eine Möglichkeit von Kindern ihre Trauer zu verarbeiten:   - - Bilder malen - -

           

Bitte klicken Sie auf die Bilder um sie groß zu sehen.

12.) 

11.)   Wingenfeld, Klaus, Die Hospiz Zeitschrift Nr. 15, „Kind, Tod, Trauer,“ Hospiz Verlag, Wuppertal 2003, Seite 4 - 6

12.)   Winkelheide, Marlies, Die Chance „Ein Bruder erzählt“ FXR Druck GmbH, Olpe 2002, Seite 50

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© 2003 by M. Jakubowski •  margret162@yahoo.de

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