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Sterbebegleitung –
Überforderung oder Chance für den Begleiter?
Einen
Sterbenden zu begleiten, kann eine Überforderung bedeuten, wenn der
Begleiter noch keinerlei Erfahrung mit Sterbenden besitzt und seinem
eigenen Leben und Sterben gegenüber sehr zwiespältige, angstbesetzte
Gefühle empfindet. Das liegt dann aber nicht an den Schwierigkeiten
der Aufgabe, sondern daran, dass er in dieser Rolle nicht nur als
Pfleger, sondern als ganzer Mensch gefordert ist. Sterbebegleitung
muss weder besonders schwierig noch aufopferungsvoll oder traurig und
düster sein. Auch wenn Trauer darin ihren Platz haben muss, kann sie
eine ausgesprochen befriedigende, bereichernde, lebensintensive
Erfahrung bedeuten. Neben der pflegerischen Kompetenz, von der hier
nicht die Rede sein kann, ist dafür die unbedingte Bereitschaft
erforderlich, sich zu öffnen für die Belange des Sterbenden, ihm mit
Wärme und Sympathie zu begegnen und ihn als den tonangebenden Partner
zu respektieren.
Geht
der Betreuer mit dieser Einstellung in eine Sterbebegleitung, so kann
er sich getrost einem Weg anvertrauen, den er nicht in seinen
Einzelheiten kennt. Er muss dabei nicht perfekt sein, muss nicht
wissen, wo es lang geht und was das beste für seinen Schützling ist,
sondern er kann sich ganz darauf konzentrieren, herauszufinden was dem
Sterbenden im Augenblick gut tut.
Im
Zusammenhang mit einem Menschen, der an seinem Lebensende angekommen
ist, zählt allein die Gegenwart, das Hier und Jetzt. Wenn es gelingt,
den Augenblick mit Leben zu erfüllen, Liebe und Hoffnung, Freude,
Trauer und Heiterkeit hineinzutragen, dann sind beide auf dem
richtigen Weg und nicht nur der Betreute, sondern auch der Betreuer
machen heilsame Erfahrungen.
Nirgendwo sonst als am Bett eines Sterbenden können wir besser
lernen, uns zu sammeln, zur Ruhe zu kommen und das Wichtige vom
Unwichtigen zu unterscheiden. Es ist also ganz falsch zu glauben, von
der Sterbebegleitung profitiere nur der Sterbende. Der Begleiter kann
dabei zwei ganz bedeutsame Erfahrungen machen.
Er
gewinnt die Möglichkeit, sich mit seinem eigenen Sterben zu versöhnen
und im Tod das natürliche Ende des Lebens sehen.
Er
erlebt im Zusammensein mit dem Sterbenden eine Nähe und Verbundenheit,
wie sie in anderen zwischenmenschlichen Bereichen nicht möglich ist.
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