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Praktikumsbericht einer
Kinderkrankenschwesterschülerin.
Das Kinderhospiz Balthasar, das erste
in Deutschland.
Ein
Ort zum Leben und Lachen, Sterben und Trauern.
►Das
Kinderhospiz versteht sich als Herberge für unheilbare kranke Kinder
und ihre Familien, um sie auf ihren bevorstehenden Lebens- und
Leidensweg zu begleiten. Das heißt, dass Kinder ab dem Zeitpunkt der
Diagnosestellung einer unheilbaren Krankheit aufgenommen werden
können. Das Hospiz bietet Platz für 8 Kinder, ihre Eltern und
Geschwister, die bis zu 28 Tage im Jahr, in Ausnahmefällen auch länger
(z. B. Finale Phase) hier wohnen
können. Hier können die Kinder sowie Eltern einmal zur Ruhe kommen und
sich richtig verwöhnen lassen. Die Eltern können ihre Kinder in der
Obhut des Hospizes lasen und Ausflüge in die Umgebung unternehmen, für
mehrere Tage in Urlaub fahren oder einfach zu Hause bleiben. Auf jeden
Fall aber sich von der großen physischen und psychischen Belastung der
Pflege ihrer schwerstbehinderten Kinder ausruhen.
Pflegekräfte und Pädagogen versuchen, den Kindern, Eltern und
Geschwistern durch einfühlsame und auf spezielle Wünsche und
Bedürfnisse eingehende Arbeitsweise ein zweites Zuhause zu geben.
Erkennbar ist dies auch an der freundlichen und einladenden Atmosphäre
des Hauses, die so gar nicht an ein Krankenhaus erinnert, das es auch
nicht sein will, sondern ein Ort zum Leben und Lachen, Sterben und
Trauern.
Im
Eingang zum Wohnbereich gibt es von jedem Kind einen Hand- und
Fußabdruck an der Wand. Unter dem Namen steht das Datum, wann sie das
erste Mal da waren. Diese Wand stellt das etwas andere Gästebuch dar.
Die Zimmer der Kinder sind wie ganz normale Kinderzimmer eingerichtet,
hell und farbenfroh.
Türen
und Zugänge sind so angelegt, dass auch bettlägerige Kinder und
Kinder, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, Zugang zum gesamten
Erdgeschoss, sowie zum Garten haben. Die Kinderzimmer sind im
Halbkreis angeordnet, um den Mitarbeitern eine bessere Übersicht zu
ermöglichen, die Eltern und Geschwister sind im ersten Stock
untergebracht. Das hat vor allem den Grund, dass die Eltern sich
zurückziehen und erholen, z. B. eine Nacht durchschlafen können und
das Kind trotzdem in sicheren Händen wissen.
Der
allgemeine Wohnraum besteht aus Küche, Esszimmer und
Gemeinschaftsraum, die ineinander übergehen, so dass die Gerüche des
gekochten Essens wahrgenommen werden können. Die Eltern und
Geschwister nehmen im Esszimmer zu festen Zeiten ihre Mahlzeiten ein.
Anders ist es jedoch bei den kranken Kindern. Der Tagesablauf des
Kindes richtet sich nach seinen Bedürfnissen. Es kann jeden Morgen
ausschlafen und es werden ihm ganz besondere Wünsche erfüllt, wie zum
Beispiel Eis essen gehen, Ausflüge machen.
Die
Pflege der Kinder wird den familiären Gewohnheiten und Wünschen des
Kindes und seinen individuellen Möglichkeiten angepasst. Das heißt,
die Pflege wird so durchgeführt, wie es das Kind von zu Hause aus
gewöhnt ist. Vorschläge der Pflegekräfte und Pädagogen werden mit den
Eltern gemeinsam entwickelt.
Es
wird eine spezielle Pflegedokumentation durchgeführt. Auf Wunsch der
Eltern werden Ärzte, Krankengymnasten, Therapeuten, Psychologen und
Seelsorger in die Pflege mit einbezogen. Nicht nur das kranke Kind
spielt eine wichtige Rolle, sondern auch die Betreuung der Eltern und
Geschwister. Vom kreativen Gestalten über Ausflüge bis zu Gesprächen
mit den Mitarbeitern und Erfahrungsaustausch mit anderen betroffenen
Familien stehen den Eltern und Geschwistern eine Vielzahl von
Möglichkeiten offen, sich den Tag nach ihren Wünschen und Bedürfnissen
zu gestalten.
Die
Betreuung der Eltern geht über den Tod des Kindes hinaus. Wenn ein
Kind gestorben ist, kann es in den Abschiedsraum gebracht werden. Dort
kann es bis zu fünf Tage bleiben. Eltern, Verwandten und Freunden wird
so die Möglichkeit gegeben, sich auf ihre ganz persönliche Weise von
ihrem Kind zu verabschieden. Diesen Raum können die Eltern des
verstorbenen Kindes nach ihren eigenen Wünschen frei gestalten. Zum
Beispiel mit Postern, Düften, Lieblingsmusik etc. Auch wenn Kinder
Zuhause sterben, besteht die Möglichkeit, diesen Raum zu nutzen.
Nach
dem Tod des Kindes werden die Eltern gelegentlich angerufen, um zu
fragen, wie es ihnen geht.
Den Eltern wird die Möglichkeit gegeben, das Kinderhospiz auch nach
dem Tod ihres Kindes noch einmal zu besuchen. Für jedes verstorbene
Kind wird zur Erinnerung ein Windrad im Garten aufgestellt deren
Flügel die Namen der verstorbenen Kinder tragen. Bei jedem Todestag
des Kindes wird eine Ecke eingerichtet, in der auf einem Tisch eine
Kerze steht und etwas, das an das Kind erinnert. So wird noch lange
Zeit an das Kind erinnert, das mal im Kinderhospiz Balthasar gelebt
hat. 14.)
14.)
Hinse, Tersa, Zeitschrift des
Deutschen Kinderhospizverein e.V. Die Chance, „Praktikumsbericht“,
FXR Druck GmbH,
Olpe 2002, Seite 22 - 23
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