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Hospizarbeit in Deutschland
Einleitung.
Als
ausgebildete Altenpflegerin sind mir Sterben, Tod und Abschied nehmen
nicht fremd sondern ständig gegenwärtig. In meinem Beruf muss
ich es immer wieder verkraften können, dass alte Menschen, die ich oft
lange Zeit begleitet und gepflegt habe, sterben. Auch ich muss immer
wieder innerlich Abschied nehmen und akzeptieren, dass sich in meinem
Beruf der Kreislauf des Lebens schließt.
Aber
nicht nur Pflegekräfte müssen immer wieder Loslassen können, auch
jeder andere Mensch wird im Laufe seines Lebens mit dem Tod in
irgendeiner Form und mit unterschiedlicher Stärke konfrontiert. Dazu
gehören die Verluste der Eltern, der Lebensgefährten, von lieben
Menschen, Nachbarn, aber auch von Lebensabschnitten, unerfüllten
Wünschen und Orten.
Früher,
bis Ende des letzten Weltkrieges, gehörte es zumindest in den
ländlichen Gebieten zur Sitte, dass der sterbende Mensch seine letzte
Zeit bei seiner Familie erlebte und verstorbene Familienmitglieder bis
zur Beerdigung zu Hause aufgebahrt wurden. Man hielt die Totenwache,
Freunde und Nachbarn kamen zum stillen Abschied nehmen von dem Toten.
Sterben und Tod hatten ihren Platz in diesen Familien. Von Kindheit an
konnte jeder eine unmittelbare Erfahrung damit machen.
►Die heutige Generation ist dem
Tod gegenüber so rat- und hilflos wie es wahrscheinlich keine bisher
war.
Wir
leben in einer Gesellschaft, in der das Thema Tod tabu ist. Es hat
keinen Platz in dieser Welt, wo Jugend, Erfolg, Gesundheit ständig
beschworen werden. Selbst Menschen, die durch ihren Beruf mit dem
Sterben und dem Tod zu tun haben, z.B. Ärzte und Pflegepersonal, sind
darauf oft nicht gut vorbereitet und empfinden einen sterbenden
Bewohner/in oder Patienten als Niederlage ihres Berufs. Eigenartig,
wenn man bedenkt, dass jeder Mensch sterben muss. Denn wer geboren
wird, muss diese Welt auch wieder verlassen. Das ist die einzige
Sicherheit, die wirklich existiert.
Jährlich sterben in Deutschland
etwa 850 000 Menschen. Zusammen mit den Angehörigen sind über drei
Millionen Menschen betroffen. Vor dem körperlichen, steht oft der
soziale Tod. Schwerstkranke werden viel zu selten umfassend betreut,
Angehörige häufig aus Unsicherheit allein gelassen. Hilfe bei
körperlichen, psychischen, spirituellen und sozialen Problemen kommt
zu kurz. Dieses liegt daran, dass die meisten Menschen in
Krankenhäusern sterben, diese Häuser sich aber nicht als Orte des
Sterbens verstehen.
Hinzu kommen Ängste der Schwerstkranken, vor allem die Befürchtung,
anderen zur Last zu fallen, außerdem Angst vor Schmerzen und Qualen,
unnötiger Technik und überflüssiger Therapie. Diese Missstände lassen
sich beheben, wenn sich andere Menschen dafür einsetzen.
Schwerstkranken und Sterbenden selbst fehlt die Zeit und besonders die
Kraft, um zu demonstrieren oder Selbsthilfegruppen zu gründen. Daher
kümmern sich jetzt Organisationen wie z.B. die
Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz, Deutsche Gesellschaft für
Palliativmedizin, Landesarbeitsgemeinschaften der Bundesländer,
Deutsche Hospiz Stiftung, die Caritas, die Diakonie und der
paritätische Wohlfahrtsbund darum. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht
die Lebensqualität der Kranken in den letzten Wochen und Monaten. So,
wie es der einzelne Mensch selbst will. Er erfährt dies in einer
ambulanten Hospizbetreuung zu Hause oder in einem Stationären Hospiz.
1.)
1.) Deutsche Hospiz
Stiftung, Weil Sterben auch Leben ist, Informationsbroschüre der
Deutschen Hospiz-Stiftung, Dortmund 2001,
Seite 2.
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