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Zweite Phase: Auflehnung

Wenn das Verdrängen aufgegeben wird, steigen gewaltige Gefühle im Sterbenden auf. Die unerledigten Dinge seines Lebens tauchen aus der Innenwelt vor seinen geistigen Augen auf. Alles, was er auf später verschieben wollte, wird nun nicht mehr Wirklichkeit. Gleichzeitig steigt das Gefühl der Angst vor dem Tod in ihm auf, die Ungewißheit vor dem danach. Dieses Chaos der Gefühle läßt den Betroffenen wütend und zornig werden. Nach Außen zeigt sich dies durch ständiges Kritisieren, durch Unzufriedenheit oder Schuldzuweisungen. - Dies ist die schwierigste Phase im Sterbeprozeß, da der Sterbende aufgrund der aufsteigenden negativen Gefühle dazu neigt, seine Umwelt zu tyrannisieren. Angehörige fühlen sich durch bösartige Bemerkungen vor den Kopf gestoßen und sind verletzt. Zudem sind sie durch die häufig schwankenden Gefühle des Betreffenden verunsichert.

Für den Sterbenden ist dabei das Bewußtsein der unterdrückten Gefühle seines Lebens ein Segen. All der unbewältigte Schmerz der Jahre, aufgestauter Zorn, der Hass treten an die Oberfläche. Es ist so zusagen der Versuch mit sich selbst ins Reine zu kommen, angesichts - des sich nahenden Todes. Der Betroffene ist in seinem Verhalten unkalkulierbar und deswegen ist es für Sie als Angehörige besonders wichtig, das Gesagte nicht persönlich zu nehmen. Gerade in diese schwierige Phase ist stille Anwesenheit und Verständnis gefordert. Nicht selten projizieren sich die aufbrechenden Angst- und Schuldgefühle auf die Angehörigen oder das Pflegepersonal. Eine deutliche Abgrenzung vor den Gefühlsschwankungen des Sterbenden ist ebenso notwendig wie einfach für ihn da zu sein und das gesagte nicht persönlich zu nehmen. Liebevolle Zuwendung und Verständnis sind in dieser Phase selbst für professionelle Helfer nicht immer leicht aufzubringen. Eigentlich braucht ein Mensch in der Phase der aufbrechenden Emotionen den Begleiter am dringendsten. Der Sterbende lehnt sich gegen sein Schicksal angesichts des Todes auf: "Warum ich?" oder "Warum läßt Gott das zu?"

Die typischen Merkmale der zweiten Phase der Auflehnung sind zusammengefaßt:
Wut, Zorn Hass, nörgeln, kritisieren, Selbstanklage, Schuldzuweisungen.

Die wesentlichen Punkte für Sie als Angehörige sind:
Nichts persönlich nehmen, verständnisvolle Zuwendungen, nicht werten, aktives Zuhören, aber sich auch abgrenzen können.

 

Dritte Phase: Verhandeln.

Wenn die Phase des Auflehnens sich den Ende zuneigt, wird aus dem schwierigen und ewig nörgelnden Betroffenen ein umgänglicher Mensch. Nur versucht er die Gewißheit seines nahenden Todes durch Verhandeln zu verlängern. Er bittet Gott, ihm noch etwas Zeit zu lassen, "wenn ich Weihnachten noch erleben darf, dann.". Im Außen versucht er seine persönlichen Dinge zu regeln. Testamente werden verfaßt und Unerledigtes wird in Angriff genommen. Manch einer sehnt sich nach Aussöhnung mit einem bestimmten Menschen und äußert den Wunsch, daß diese ihn besuchen. Der Sterbende will seine persönlichen Angelegenheiten bereinigen. Er versucht noch eine Lebensspanne abzuringen und verhandelt deswegen mit seinem Schicksal. Er ist bereit mögliche therapeutische Maßnahmen auszuschöpfen. Es gibt auch viele "Stille Verhandeler" die eine besondere Aufmerksamkeit und viel Verständnis von Angehörigen erfordern. Da die Phase des Verhandelns auch eine Strategie darstellt, die Realität des nahen Endes aus dem Weg gehen zu können, ist hier Vorsicht geboten vor unrealistischen Plänen und Erwartungen.

Die typischen Merkmale der dritten Phase sind zusammengefaßt:
Hoffnungsvoll, kooperativ, aktiv und umgänglich.

Die wesentlichen Punkte für den Begleitenden sind:
Hoffnung zulassen, jedoch keine unrealistischen Hoffnungen wecken. Verhandlungsstrategien nicht bewerten, vor allem wenn der Sterbende anders handelt als Sie das für richtig halten. Niemals sollten diese Schwankungen persönlich genommen werden.



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